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JULI KAPELLE - „Materie:“
(Tonträger & Tontraeger TONTRäger/Bockenem - tttcd071004 - LC10417)

VÖ:10.2004 - CD, 12 Lieder, 43:23 min.

01 - ...die Tor macht weit
02 - Entkommensversuchungsführung für Bleiberinnen & niemand besonderes
03 - Sinn!!
04 - Maschine
05 - Sender
06 - der Himmel zwischen uns
07 - Aufzeichnung des Flugschreibers D-160
08 - Stärke 7
09 - 3Schritte
10 - (Treib)Sand
11 - so nah / so weit
12 - Leoniden

Bewertung: von Markus
Es gibt Platten, die auf den ersten Blick interessant wirken. Manchmal ist der Eindruck mit den ersten gehörten Tönen aber auch verpufft.
JULI KAPELLE, so heißt diese Musikgruppe hier, ist nicht nur ein interessanter Bandname, das Cover der CD ist nicht nur hübsch, sondern sie haben mit ihrem Album „Materie:“ ein hervorragendes und sehr interessantes veröffentlicht. Übrigens: Alle Assoziationen jeglicher Art zu der Newcomer-Band JULI sind hier fehlplaziert. Der einzige Vergleich, der zählen würde ist, dass man Deutsch singt.

Bei JULI KAPELLE mischen eine Menge Leute mit, die nicht nur einen vernünftigen Musikverstand, sondern auch tolle Ideen besitzen. Zusammen verwirklichen sie, basierend auf Kapellmeister Achim Sauer's Grundideen und Songwriter-Qualitäten die gemeinschaftlichen Vorstellungen und fassen im Studio zusammen, was seit 1997 komponiert wurde. JULI KAPELLE spielten 1996 erste Songs zusammen und daraus entstand eine Musikkassette, die ebenfalls auf dem hauseigenen Label Tonträger & Tontraeger TONTRäger. Seither gab es mit Sicherheit einige Wandlungen und haben sich zu dem entwickelt, was sie heute sind. Achim schreibt alle Texte und singt sie auch. Die anderen sorgen für die nicht untergestellte Instrumenten-Rolle. Dabei haben alle einiges auf dem Kerbholz. Ralf Hammermeister arbeitet als Tonmeister und Produzent, die meisten sind, so wie ich das verstanden habe, in verschiedenen Projekten und Bands parallel unterwegs. Hier treffen sich ein paar Leute mit einer gehörigen Portion Energie und Potential.

Zwölf Lieder werden auf „Materie:“ veröffentlicht. Die ausschweifenden Songs sind schon eher psychedelisch, deprimiert und melancholisch angehaucht; suchen zeitweise auch schon mal die düsteren Ecken auf, kommen aber auch wieder heraus und zeigen ihre vielfältigen Gesichter. Dann hat ihr Liedgut auch mal Kanten und klingt rauer und schräger. Ihr könnt euch bei diesen dennoch warmen Klängen fallen lassen. Taucht ein in eine gefühlvolle und bunte Welt der Klangvielfalt und des Kunstverstandes. Vergleichbares kenne ich nicht; ich will aber die Songs auch mit nichts vergleichen...

Das, was ihr hören könnt ist durchdachte deutsche Subpop-Kultur, vermischt mit Klassik-, HipHop-, Elektro-, Punk-, Funk- und Jazz-Elementen. Akribisch, perfekt und pedantisch wirken die Songs, bzw. die Kunstwerke. Häufig werden die Melodien mit Synthesizer und Orgel untermalt, mal hört man eine Quetschkommode, oder eine Geige und im Studio hat man bei allen Instrumenten und Klängen (inklusive Stimme) an den einen oder anderen Regler gedreht. Dann und wann wird auch mal ein Single eingespielt. Aber nichts wirkt überladen...

Je öfter man den zwölf Kunststücken lauscht, um so weniger kann man sich den Gefühlen entziehen. Das Album spielt mit dir und deinen Empfindungen und Emotionen. Es lässt dich nicht mehr los und somit gehst du auf die Internetseite der Kapelle und bestellst ihr bestes Stück in limitierter Auflage... Wer mal eben ein paar Songs reinpfeifen möchte, dabei noch ein Buch in der linken und den Staubsauger in der rechten Hand hält, der hat hier verloren! Um dem Review doch noch eine Richtung geben zu können, zitiere ich JULI KAPELLE: "Einzuordnen unter: Independent, Singer-/Songwriter, Krautrock, Krautpop, Avantgarde, Freistil"...

In intelligenter Form wird mit der deutschen Sprache gespielt, werden Wörter aneinandergereiht und gedichtet. Alle Texte beinhalten einen SetzDichNiederUndDenkeDarüberNach-Effekt. Diese Texte zu interpretieren lasse ich an dieser Stelle aber mal. Wenn ihr die Platte noch nicht haben oder auch nicht kaufen solltet, könnt ihr die Texte im Internet durcharbeiten.

So wie das Debüt-Album mit einem guten instrumentalen Willkommen anfängt, so wird diese runde Sache mit einem instrumentalen Adiós versiegelt.

Anspieltipps: Eigentlich alle Lieder, aber besonders gut haben mir (auch textlich) „Entkommensversuchungsführung für Bleiberinnen & niemand besonderes“, „Aufzeichnung des Flugschreibers D-160“ und „so nah / so weit“ gefallen...

JULI KAPELLE
die gms - Keyboard, Klavier
V. B. Kühl - Schlagzeug, Rhythmusgeräusche
Steffen Gerlach - Schlagzeug, Orgel
Ralf Hammermeister - Rhythmus, Bass, Scheinsythesizer
Fpunkthelix Ringhausen - Magnetstrombogengitarre
Polly Hundhausen-Bruchlos - sagte auch mal ein Wort
Andrea Will
Achim Sauer - Musik, Texte, Gesang und Restgeräusche

www.julikapelle.de
www.tundtt.de

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